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„Brahms – The Boy II“: Der Porzellanpuppen-Horror geht (leider) weiter

Vier Jahre nach „The Boy“ kommt die Fortsetzung der Geschichte um eine außen hübsche und innen umso hässlichere Puppe in die Kinos. Vor Angst erstarren lässt das blasse Porzellanbürschchen Brahms dieses Mal Katie Holmes. Doch auch die hat wohl schon Schlimmeres gesehen.

Filme, in denen Puppen das Böse verkörpern und mit kindlichen Ängsten spielen, gibt es nicht erst seit gestern. Schon „Chucky – Die Mörderpuppe“ lehrte den Zuschauer Ende der 1980er-Jahre das Fürchten, gefolgt von einigen Sequels und noch übertroffen durch seine eigene Braut. Ab 2014 terrorisierte eine Holzpuppe namens „Annabelle“ die Menschen als Spin-off der „Conjuring“-Reihe gleich drei Mal.

Mit „The Boy“ brachten Regisseur William Brent Bell und Autor Stacey Menear 2016 die Porzellanpuppe Brahms auf die Leinwand. Darin reist die US-Amerikanerin Greta nach Großbritannien, um auf Heelshire Mansion als Kindermädchen zu arbeiten. Allerdings handelt es sich bei dem zu betreuenden Brahms nicht etwa um einen lebhaften Jungen, sondern eine eigentlich doch leblose Puppe, die den Eltern den toten Sohn ersetzt. Bald muss Greta jedoch feststellen, dass der Keramik-Boy – ganz wie ein echtes Kind – nur so lange nett zu ihr ist, wie sie ihn gut behandelt. Beinahe zu spät kommt sie hinter sein eigentliches Geheimnis.

Falscher Freund im Tweed-Anzug

Einige Jahre nach den Ereignissen von „The Boy“ – Heelshire Mansion ist inzwischen doch etwas heruntergekommen – zieht Liza (Katie Holmes) gemeinsam mit Ehemann Sean (Owain Yeoman) und Sohn Jude (Christopher Convery) ins Gästehaus des Anwesens. Dort hoffen die Eltern, ihren Jungen wieder zum Sprechen bringen zu können, der seit einem traumatischen Ereignis in den heimischen vier Wänden verstummt ist. Doch statt zur Normalität zurückzufinden, wird Jude immer wunderlicher und entwickelt beinahe psychopathische Züge.

Schuld daran ist ganz offensichtlich Puppenjunge Brahms, den Jude im Wald vergraben gefunden hat und von dessen Seite er nicht mehr weicht. Oder weicht Brahms nicht von Judes Seite? Jedenfalls übernimmt der kleine Tweed-Anzug-Träger aus Porzellan einmal mehr im Haus das Kommando und stellt seine eigenen Regeln auf. Nach und nach wird Liza das Eigenleben des schweigsamen Mitbewohners bewusst. Sie will wissen, was hinter dessen glatter Stirn und dem scheinbar ausdruckslosen Gesicht steckt, ehe es zu spät und ihr Familie verloren ist.

Kleiner Cast, schöne Bilder, subtiler Grusel

Wie schon in „The Boy“ setzen Bell und Menear die meiste Zeit auf subtilen Grusel statt auf die ganz großen Schockmomente. Und überhaupt scheint er das damals entwickelte Konzept für „Brahms – The Boy II“ einfach noch einmal adaptiert zu haben. Immerhin spielte der Film seinerzeit weltweit 74 Millionen Dollar ein, bei einem Budget von gerade einmal 10 Millionen.

Beispielsweise ist eine gewisse optische Ähnlichkeit zwischen Greta und Liza nicht von der Hand zu weisen. Und auch der Cast ist – wie schon beim ersten Teil – recht überschaubar. So gibt es nur noch den verschrobenen Joseph mit seinem Schäferhund und dem stets geschulterten Gewehr sowie die zu einem Kurzbesuch aufschlagende Familie von Liza und Sean. Ein Trip, der jäh – und ziemlich absehbar – endet. Und genau hier liegt die Krux des Films, denn kaum etwas, das in den glücklicherweise nur 87 Minuten passiert, kommt wirklich überraschend. Und so findet einer der wenigen echten Horrormomente bereits in den ersten zehn Minuten des Films und nicht einmal in der Nähe seiner Titelfigur statt.  

Kameramann Karl Walter Lindenlaub hat – wie schon Daniel Pearl bei „The Boy“ vor ihm – gute Arbeit geleistet. Die düsteren Bilder und das pointierte gesetzte Licht in Kombination mit Musik und Sounds lassen durchaus ein atmosphärisch dichtes Werk entstehen. Auch jagen einem Lizas Traumsequenzen gelegentlich einen kurzen Schauer über den Rücken. Doch während sich der erste Teil durch einen Horror-Schlusstwist auszeichnete, endet der zweite im übersinnlich aufgeladenen Chaos und unfreiwilliger Komik. „Brahms – The Boy II“ ist im Großen und Ganzen handwerklich solide, leider jedoch nur bedingt das, was ein Horrorfilm sein sollte, nämlich irgendwie unheimlich.

„Brahms – The Boy II“ läuft ab dem 20. Februar in den Kinos.