Visit Homepage
Zum Inhalt springen

Hot Chip – Keine Band für eine Nacht, sondern für ein ganzes Leben

Das Jahr 2010 hat so einige musikalische Feierlichkeiten zu bieten: Elvis Presley wäre soeben 75 geworden, Frédéric Chopin bereits 200, und die Herren von Hot Chip feiern ihr zehnjähriges Bandjubiläum. Zehn Jahre sind im schnelllebigen Musikbusiness eine lange Zeit, und so kann man Alexis Taylor, Joe Goddard, Al Doyle, Owen Clarke und Felix Martin nur gratulieren. Zum Geburtstag ebenso wie zum neuen Album, das gerade unter dem Titel »One Life Stand« erschienen ist und damit drei vorangegangenen Longplayern, sowie einer gelungenen »DJ Kicks«-Ausgabe auf dem Fuße folgt.

Was einst auf dem Schulhof als Freundschaft der heutigen Bandleader Taylor und Goddard begann, ist im Laufe einer Dekade zu einer musikalischen Institution herangewachsen, die immer wieder Grundzüge des Pop mit Elementen des Indie und einer tanzbaren elektronischen Programmierung vereint, sich hierbei treu bleibt und trotzdem immer wieder neu erfindet. Die Londoner sind von ihrem Stilmix – der zahlreiche nachfolgende Acts der vergangenen Jahre maßgeblich inspiriert hat – nie wirklich abgewichen, doch geht es mit Songs wie »Thieves In The Night« und »I Feel Better« oder gar Balladen à la »Slush« und »Keep Quiet« wieder um einiges entspannter und songorientierter zu als beim 2008 erschienenen Vorgänger »Made In The Dark«. In der Zwischenzeit ist aber auch einiges passiert. Immerhin war man beinahe dauerhaft auf Tour, widmete sich diversen Solo-Projekten und lieferte Anfang 2009 einen nicht zu verachtenden »A Bugged Out«-Mix ab. Möglicherweise also eine logische Schlussfolgerung, dass man mit dem neuen Longplayer ein Stück weit gefälliger wurde?

»Ja, es war uns tatsächlich vorab ein Anliegen, ein Album zu produzieren, das gefälliger ist als das vorherige, leichter zu hören für jedermann. Jeder Song ist jetzt mehr Teil eines Ganzen«, verrät mir Felix Martin – Produzent der Band und seit jeher der Mann für House und Techno im Team – im Interview. Überhaupt ist es die stilistische Vielfältigkeit aller Mitglieder, die den Produktionen Hot Chips deutlich anzuhören ist und sie so besonders macht. Jedes der fünf Bandmitglieder hat hier sein ganz persönliches musikalisches Steckenpferd und bringt eben dieses in die Produktionen mit ein. Welche Einflüsse haben sich diesmal eingeschlichen bzw. sind bewusst gewählt worden? »Wir haben in der letzten Zeit viel aufgelegt, das hat uns sicherlich zu den neuen Stücken inspiriert. House gehört also definitiv dazu, aber auch Prince und die Beatles.« Und so gibt es mit Tunes wie »Hand Me Down Your Love« oder dem Albumtiteltrack neben allem Popappeal auch die richtigen Nummern für die Tanzflure. »Im entsprechenden Remix natürlich, damit funktionieren eigentlich die meisten Songs auf dem Album auch im Club. Uns ist es wichtig, keinen Unterschied zu machen, sondern vielmehr Musik zu produzieren, die in allen Lebenslagen passt und dabei unser Bestes zu geben.«

Für die entsprechenden Lyrics zuständig ist in erster Linie Alexis Taylor, Kopf des Ganzen, unterstützt von Joe Goddard, dem zweiten Mann an der Bandspitze, die sich durch Alltäglichkeiten inspirieren lassen. »Sie versuchen, ganz offen und ehrlich über Gefühle zu schreiben und ihren eigenen Charakter, ihre Persönlichkeit mit einfließen zu lassen«, erklärt Felix weiter, und so ist natürlich die Liebe  auch bei Hot Chip ein gern behandeltes Thema. Ist »One Life Stand« damit vielleicht ein zu empfehlendes Geschenk für den Freund oder die Freundin? »Ja, ich denke schon«, lacht er jetzt und erklärt dies so: »Es ist ein fröhliches Werk und behandelt Beziehungsthemen durchweg positiv. Und das, wo in einer Welt wie unserer heutigen so etwas wie Frieden und Glück in Beziehungen – innerhalb der Familie, einer Ehe o. ä. – nur noch schwer zu finden sind.«

Liebe und Frieden verbreiten werden die fünf Jungs aus London sicherlich auch wieder im Rahmen ihrer Tour zum Album, die sie im März mehrfach nach Deutschland bringt, so auch nach Köln. Am 10.03. sind sie dann in der dortigen Live Music Hall zu Gast, und Felix erklärt, worauf ihr euch freuen könnt: »Wir machen jetzt schon seit sechs oder sieben Jahren gemeinsam Live-Musik, daher haben wir inzwischen eine unheimlich gute Dynamik auf der Bühne. Wir haben einen großartigen Drummer dabei, der nun schon eine ganze Weile für uns live spielt, und freuen uns bereits sehr auf die Proben mit ihm. Und wir freuen uns wahnsinnig darauf, die neuen Songs endlich live zu spielen. Außerdem sind wir super gern in Köln zu Gast, denn wir haben eine Menge Freunde dort wohnen, die ebenfalls alle zu unserer Show kommen werden.« All das verspricht also einen runden und äußerst gut gelaunten Abend, den man wohl besser nicht verpassen sollte.

www.hotchip.co.uk

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Kommentar verfassen