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Sanford Parker – Roadtrip durch die Finsternis

Menschen mit einem breit gefächerten Musikgeschmack, dessen Ausläufer auch Genres wie Sludge und Doom Metal streifen, dürften sich über dieses Interview im FAZEmag wundern. Sanford Parker? Ist das nicht der Typ aus Chicago, der bei Buried At Sea und Minks spielte und zahlreiche andere Metal-Bands produzierte? Ja genau, der ist es. Und mit »Lash Back« veröffentlicht er jetzt ein Soloalbum, das aufgrund seiner atmosphärischen Dichte zwischen Industrial und Electronica durchaus auch dem einen oder anderen FAZEmag-Leser gefallen dürfte.

»Elektronische Musik war schon immer genauso ein Teil von mir wie Venom und Black Flag. Throbbing Gristle, Skinny Puppy, Einstürzende Neubauten und viele mehr hatten früh großen Einfluss auf mich. Ich beziehe meine Einflüsse aus vielen Richtungen und bin Fan von Musik – ganz gleich welchen Genres. Alle meine Projekte hatten immer auch elektronische Elemente wie Synthies, Samples und bearbeitete Drums.« Das Soloalbum »Lash Back« mutet wie der Soundtrack zu einem Horrorfilm an: düster, mysteriös und bisweilen bedrohlich. »Ich wollte, dass die Songs eine gewisse Bewegung haben, das Album eine Geschichte erzählt. Viele Alben funktionieren für mich besonders gut beim Autofahren. Für mich ist ein gutes Album eines, das ich im Auto hören kann. Als ich mit dem Schreiben der Songs begonnen habe, war genau das meine Intention. Also ist es eher ein Soundtrack zur Straße als zu einem Film.« Die Wahl des Albumtitels sowie der Namen der sechs Stücke, darunter »Knuckle Crossing«, »Slow Children« und »Sheep Slaughter«, war eher unkonventionell. »Wenn ich irgendwo komische Sprüche höre, tippe ich sie in mein Telefon. Ich habe Tonnen von dummen Sachen, die Leute auf Partys gesagt haben, über die man lacht, die man aber wenig später wieder vergessen hat. So sind alle Songtitel entstanden. Ich schaue, welche Wörter zusammenpassen und gut zusammen aussehen. Keiner der Titel hat also eine tiefere Bedeutung.«

Sanford Parker ist nicht nur Musiker, sondern vor allem Produzent und Tontechniker und lange Inhaber kommerzieller Tonstudios gewesen. Heute hat er sich mit dem Ziel der Stressvermeidung davon verabschiedet. »Wenn ich nicht gerade eine Platte gemacht habe, war ich mit Instandhaltungen und dem Bezahlen von Rechnungen beschäftigt. Das hat meine Zeit total aufgefressen. Also habe ich mich aus dem kommerziellen Studiogeschäft zurückgezogen und arbeite seitdem lieber in den Studios anderer. Sollen die sich doch um die Drecksarbeit kümmern. Das funktioniert sehr gut. Im Keller meines Hauses habe ich aber schon noch ein Studio für mich selbst.« Und hier arbeitet Sanford mit Software, die auch jedem Techno-Produzenten ein Begriff ist. »Ableton ist meine Hauptquelle fürs Schreiben und die Sequenzierung, sobald ich das erste Layout für einen Song habe. Mit Avid Pro Tools mache ich dann die Arrangements und das Mixing. Darin bin ich schneller und irgendwie geht hier alles glatter. Mein Ableton ist bestückt mit Plugins und Instrumenten. Ich mag es, schnell zu arbeiten, und Ableton erlaubt mir genau das. Ich gehöre nicht zu denen, die stundenlang an nur einem einzelnen Sound rumbasteln können. Die meisten Hardware-Synths habe ich verkauft, bis auf eine Moog Sub 37.«Und weil er schnelles, effizientes Arbeiten liebt, produziert Sanford Parker auch längst schon neues Material, das er zu Beginn des kommenden Jahres auch live in Europa präsentieren will.


www.facebook.com/sanford.parker 

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