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Scott Matthew – Die Melancholie der Freude

Vier Alben hat Scott Matthew bislang veröffentlicht. Und ganz gleich ob man sein selbstbetiteltes Debüt aus dem Jahr 2007 hört, »There Is An Ocean That Devides« von 2009, das 2011 erschienene »Gallantry’s Favorite Son« oder die 2013 releaste Sammlung seiner persönlichen und persönlich interpretierten Lieblingssongs »Unlearned« – schnell ist klar, dass der Australier eine ganz besonders zarte Seele ist.

Ihn umgibt stets eine berührende Melancholie, die bei seinen Live-Shows durch einen ganz besondere Art des Humors ergänzt wird. Scott Matthew ist ein Mensch, mit dem man aufgrund seiner besonderen Sensibilität gern befreundet wäre, um ihn gelegentlich tröstend in den Arm zu nehmen und sich wiederum in schweren Zeiten von ihm und seiner wunderbaren Akustikmusik trösten zu lassen. Mit »This Here Defeat« erscheint nun Studioalbum Nummer Fünf, und auch das ist geprägt von der Verarbeitung intensiven Herzschmerzes und erscheint im Anschluss an eine Art künstlerische Krise …
»Es war nicht direkt eine Krise, aber ich habe daran gezweifelt, noch ein Album in dieser Art machen zu können», gesteht er. »Ich hatte die Songs bereits fertig, war aber unsicher, ob sie gut genug seien. Ich fühle immer eine gewisse Unsicherheit bei den Dingen, die ich mache, aber gerade nach dem Coveralbum war die Angst noch größer, meine eigenen Stücke seien nicht gut genug für die Öffentlichkeit.« Doch dann trat Jürgen Stark, ein deutscher Gitarrist und langjähriger Weggefährte Scotts, auf den Plan, und gemeinsam arbeiteten die zwei an den Arrangements. »Plötzlich fühlte ich eine gewisse Aufregung und ein neues Wohlbefinden. Jetzt bin ich super stolz auf das Album. Es ist mir sogar das Liebste meiner Alben bisher, wenn ich ganz ehrlich bin.«

Jürgen ist mehr als nur ein musikalischer Partner Scotts … »Zuerst ist er mir ein wunderbarer Freund, und er ist ein ebenso wunderbarer Produzent. Wir haben schon für ‚Unlearned‘ sehr eng zusammengearbeitet. Unsere Zusammenarbeit ist sehr befriedigend. Wir haben einen besonders effektiven Weg der Kommunikation und des Respekts gefunden. Wir haben beide genug Raum für eigene Meinungen und sind uns dennoch oft einig. Er ist ein großes Talent, und wir können viel zusammen lachen.« Ein Bekannter meinerseits lebt irgendwie nach dem Motto »art never comes from happiness«, und wirft man einen Blick auf Scott Matthews Werk, scheint es, als könnte der das so unterschreiben, doch … »Ich glaube nicht, dass man nur durch einen Mangel an Glück kreativ sein kann. Für mich ist die Melancholie die Art, in der ich mich musikalisch am besten ausdrücken kann. Dort finde ich mich am ehesten wieder, und ich versuche so offen und ehrlich zu sein, wie ich kann. In der Musik wie auch in meinem ganzen Leben.« Wäre es anders, würde das Finden der großen Liebe wohl auch das Ende einer Karriere wie Matthews bedeuten. Eine traurige Vorstellung. »Gott sei Dank habe ich aber noch eine ganze Menge von Erfahrungen gesammelt, aus denen ich Kreativität schöpfen kann. Ich suche nicht bewusst die Traurigkeit, um daraus Musik zu generieren. Das wäre wirklich tragisch. Früher war ich wirklich sauer darüber, immer als trauriger Typ wahrgenommen zu werden. Inzwischen bin ich stolz auf das, was ich eben bin.« Und die Musik von Scott Matthew lässt seine Fans eher vor Glück denn vor Traurigkeit weinen und tröstet sie in vielen Momenten ihres Lebens. Ihm selbst geht es da ganz ähnlich: »Mich machen meine Songs glücklich, und ich hoffe wirklich, dass es bei anderen genauso ist. Ich möchte wirklich niemanden traurig machen mit meiner Musik. Sie soll eher eine Geste des Trosts sein. Ich empfinde in der Melancholie eine seltsame Freude, und sie auszudrücken, ist eine Art der Therapie für mich. Grundsätzlich bin ich nicht so traurig, wie man denken mag. Das Leben ist doch ganz wundervoll.« Trotzdem ist Scott Matthew ein Mann, den man nach Tipps fragen möchte, hat man Liebeskummer und versucht, über diesen hinwegzukommen. »Ich tendiere dazu, mich zu isolieren in solchen Phasen. Im Moment mache ich das fast immer. Ich ziehe mich zurück und versuche so, mich selbst zu schützen, bis es vorüber geht. Aber auch ein Drink oder zwei mit einem Freund helfen sehr gut. Fernsehen ist meine Droge in Sachen Eskapismus. Ohne das kann ich nicht leben.«

Dass Scott Matthews Wirken die Menschen berührt, zeigt sich in kleinen und großen Gesten seiner Fans. So wie vor einigen Jahren in der Kölner Kulturkirche, als sich eine alte Dame um die 90 im Rollstuhl zu ihm nach vorne schieben ließ, um ihm ein Strauß Rosen zu überreichen. Eine rührende Szene, die sich auch in Scotts Erinnerung eingebrannt hat: »Das war ein wunderbar emotionaler und sentimentaler Moment, an den ich mich immer erinnern werde. Ich habe das Glück, immer wieder Reaktionen wie diese von meinem Publikum zu erhalten. Ich mag den Gedanken, dass diese Art der Musik nur gute und offene Menschen anzieht. Es ist für mich sehr wichtig, dieses Feedback zu bekommen – als einen Ausdruck der Schönheit zwischen uns allen. Es gibt einfach nicht genug freundliche und schöne Gesten in dieser Welt. Ich lebe für solche Momente.« Momente, die er sicherlich nicht nur in Deutschland so erlebt, dennoch ist er hier besonders gern live zu Gast. »Deutschland war immer extrem gut zu mir, und dafür bin ich sehr dankbar. Es scheint, als hätten die Leute bei euch ein besonderes Verständnis für meine Musik. Vielleicht ist das ein kulturelles Ding, oder einfach nur guter Geschmack. (lacht) Bei der aktuellen Tour sind wir wieder besonders oft in Deutschland, los geht es mit einer bereits ausverkauften Show in Berlin. Ich bin jetzt schon sehr aufgeregt bei dem Gedanken, die neuen Songs erstmals live zu performen. Ich hoffe, alle anderen sind es auch. Meine Erwartungen an diese Tour: Liebe spenden und Liebe zurück bekommen. Lachen, weinen, Freude empfinden.«

www.scottmatthewmusic.com

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